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Der wohl bekannteste touristische Ort Myanmars:
Die Shwedagon-Pagode in Yangon stellt eines der wichtigsten Pilgerziele dar |
Nachdem nun
die nächste große Urlaubszeit anbricht, würde ich die letzte große Reise mit
ein paar abschließenden, aber zusammenfassenden Worten gern noch
zusammenfassen. Es gab viel zu sehen, viel zu erleben und der ein oder andere
Eindruck wird von mir hier sicher auch noch gepostet werden - in gewohnter Form
in kleinen Stories. Derweil habe ich als größere Zusammenfassung einen kleinen
Artikel:
Reisen mit unglaublichen Kontrasten
(Myanmar – Burma)
Als der Jeep
mit einer Staubwolke das Dorf verlässt, wird es schlagartig still. Wir tragen
unsere Rucksäcke auf der sandigen Fahrpiste ein paar Meter weiter, um einen
Blick auf den See werfen zu können. Hinter der blauschimmernden Wasserfläche
ragen bewaldete Berge auf. Ein paar Fischer stehen in ihren kleinen Ruderbooten
und holen Netze ein, um dann mit knatterndem Motor zu ihren Bambushütten
zurückzukehren. Am Ufer waschen Frauen ihre Haare und ihre Wäsche im kühlen
Seewasser. Die Kinder tollen wie kleine Wasserratten drum herum. Und in der
Ferne ragt eine goldene Pagode mitten aus dem See.
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Geländewagen werden in Myanmar als Transportmittel
für
bis zu 20 Personen und etlichen Kilogramm an Gepäck genutzt. |
Es ist
ein Tag vor Weihnachten und wir befinden uns am Indawgyi-Lake, dem größten See
von Myanmar (ehemals Burma). In den vorangegangenen zwei Wochen sind wir per
Bus und Bahn quer durchs Land gereist. Nun aber wollen wir eine kleine
Weihnachtspause einlegen und ein bisschen Ruhe, die in Südasien oft nur
spärlich vorhanden ist, finden – vor dem wilden Treiben auf den Märkten, dem
quirligen Straßenverkehr, den nervenaufreibenden Zugfahrten. Ein paar Tage in
einer ruhigen Enklave muss man sich aber erst „erarbeiten“. 15 Stunden per Zug,
eine ungeplante Übernachtung in einem abrissreifen Haus und einer
sechsstündigen Fahrt (für 25 Meilen!) auf dem Dach eines Jeeps haben uns
schließlich hierher geführt.
Kurz nach
unserer Ankunft trifft auch schon der örtliche Polizist ein, um sich die Daten
unserer Reisepässe zu notieren. Ein völlig normales Prozedere. Hier in Myanmar
werden, vor allem außerhalb der Haupttouristenrouten, die Daten aller Touristen
erfasst. Die Daten landen zumeist in großen, linierten Schreibheften, manchmal
aber auch einfach nur in einem abgelaufenen Taschenkalender eines
Dorfpolizisten. Obwohl sich sowohl am Anfang als auch am Ende des Dorfes
Militärposten befinden, erhalten wir keinerlei Sicherheitshinweise. Nur zu den
Jademinen, die sich in der Umgebung befinden, dürfen wir nicht vordringen. Als
wir ein paar Stunden später den Militärposten passieren, wird es uns schon
etwas mulmig. Als behüteter EU-Bürger ist man nicht unbedingt gewohnt, von zwei
schläfrig dreinblickenden Soldaten im Liegestuhl und mit Maschinengewehr auf
dem Bauch beobachtet zu werden. Freundlich nicken sie uns zu, betont laut
grüßen wir mit einem verkrampften Lächeln und einem „Mingalaba“ (Hallo) zurück
und suchen dann schnell das Weite. Als wir abends vor unserem Hostel sitzen,
hören wir, wie sich die Militärposten gegenseitig akustische Signale senden und
beantworten. Hier wird offensichtlich noch mit traditionellen Mitteln
militärisch operiert.
Und wie
feiert man nun Weihnachten in Myanmar? Nun zum Heiligabend werden wir in eine
Kirche der christlichen Minderheit eingeladen. Traditionelle Tänze werden zu
moderner Popmusik von Kindern vorgeführt, aus großen, generatorbetriebenen
Lautsprechern schallt Karaokemusik und am Wegesrand hocken Frauen auf Tüchern
und verkaufen Fleischspießchen oder Süßigkeiten. Den ersten Weihnachtsfeiertag
verbringen wir damit, ein Elefantencamp suchen, landen stattdessen aber in
einem Wald voller Tieflader, einer riesigen Pagodenbaustelle und helfen
schließlich ein bisschen beim Straßenbau, um von einem Lkw-Fahrer wieder zurück
in unser Dorf mitgenommen zu werden. Und der zweite Weihnachtsfeiertag steht
dann schon wieder ganz im Zeichen des Reisens – es geht zurück in die nächstgrößere
Stadt. Die Familien Zuhause warten auf ein Lebenszeichen und auf ein paar
Weihnachtsgrüße. Denn irrwitziger Weise zieht sich durch unser „Weihnachtsdorf“
zwar eine der neuesten Stromtrassen Myanmars, die Bewohner haben allerdings
nichts davon, denn der Strom wird vollständig zum Betreiben der Jademinen
benötigt. Selbst die Militärposten sind auf Solarpanelen und Generatoren
angewiesen.
In den
nächsten Tagen machen wir uns auf den Weg in die östlich gelegenen Shan-Berge.
Per Zug geht es auf einer übel zugerichteten Bahnstrecke nach Mandalay im
Zentrum Myanmars. Die Waggons schwanken, wackeln und springen in alle
Richtungen. Die Dämpfer werden immer wieder bis zum Anschlag zusammen gepresst.
Und während uns durch das geöffnete Waggonfenster die kalte Nachtluft um die
Ohren saust, Händler mit gebratenen Vögeln auf und ab gehen und dunkel
vermummte, junge Männer mit Headsets im Ohr auf und ab patrouillieren, krallen
wir uns ängstlich in unsere Sitze. Der Reiseführer schreibt, dass die meisten
Zugunfälle in der Regenzeit passieren. Jetzt ist Trockenzeit. Ist doch ein
gutes Zeichen, oder?
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Zugfahrten in Myanmar sind nicht nur eindrucksvoll
sondern auch nervenaufreibend. |
Die folgende
Nacht verbringen wir in einem Überlandbus. Zum Teil mit Schrittgeschwindigkeit
schiebt er sich in einer langen Kolonne aus LKWs die Passstraßen hoch und
runter, um uns schließlich mitten in den Shan-Bergen ausspucken. Die nächsten
drei Tage werden wir in den umliegenden Bergen mit einem lokalen Guide unterwegs
sein, in Minderheiten-Dörfern übernachten, kleine barfüßige Kinder durch die
Luft wirbeln und traditionell gekleideten Frauen beim Sortieren von
Grünen-Tee-Blättern zuschauen.
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Kleine Rotzlöffel in den Shan-Bergen. |
Immer noch
tief beeindruckt und zum Teil sehr bewegt, kehren wir Anfang Januar schließlich
wieder nach Yangon, der ehemaligen Hauptstadt Myanmars zurück. Während uns auf
der einen Seite die goldenen Pagoden anstrahlen, die dunkelrot gekleideten
Mönche mit ihren Almosenschalen durch die Gegend streifen und mit einer tiefen
Verbeugung von der Bevölkerung Lebensmittel und kleinere Geldbeträge bekommen,
sehen wir nun auf der anderen Seite auch die kleinen Bambusverschläge, in denen
Menschen leben, die kein eigenes Land zum Gemüseanbau besitzen, die sich über
eine Mandarine riesig freuen und die auf Spenden anderer Siedlungen angewiesen
sind. Zurück bleibt vor allem der Eindruck der enormen Kontraste dieses Landes…
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Der Buddhismus ist in Myanmar tief verwurzelt;
Mönchen und Nonnen leben von Spenden der Bevölkerung. |
Zu Myanmar
Myanmar –
ehemals Burma – wurde 60 Jahre lang von einer Militärjunka regiert. Erst in den
letzten Jahren öffnete sich das Land unter dem Deckmantel der vermeintlich
eingeführten Demokratie für Touristen, wobei es immer noch ganze Landesteile
gibt, die aus Sicherheitsgründen nicht bereist werden dürfen. Diese haben sich in Anbetracht der für
September angesetzten Wahlen, stark vergrößert. Sowohl am Indawgyi-Lake als
auch in den Shan-Bergen kam es in den letzten zwei Monaten zu erheblichen
militärischen Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und
Minderheiten-Militäreinheiten. Große Flüchtlingswellen der hiesigen Bevölkerung
und Reiseverbote für Touristen folgten. Die seit Jahren geprägten
Touristenrouten können jedoch immer noch ungehindert bereist werden.
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Sonnenaufgang über dem Pagoden-Ruinenfeld von Bagan
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"Elefantenbad" als Waschstraße |
Zu den Reisenden:
Chlodomer
Rosa alias Antje und Sven waren rund um den Jahreswechsel 4 Wochen in Myanmar
als Rucksacktouristen unterwegs. Per Bus, Bahn, Jeep und Anhalter reisten sie
durchs Land, besuchten Flüchtlingslager, Unmengen von golden verzierten
Pagoden, radelten durch riesige Pagoden-Ruinenfeldern, wanderten über
Handelswege von Bergdörfern, besuchten Meditationszentren und änderten wegen
Reiseeinschränkungen immer wieder spontan ihre Reiseroute – ganz nach dem
Motto: Je genauer du planst, desto härter trifft dich der Zufall.